Pressemitteilung

„Keine Knete – trotzdem Fete“ Festival: Harburger Behörden verbieten überraschend einen Tag Programm, Poetry Slam und Kinderfest

KünstlerInnen sind gebucht, Plakate und Flyer gedruckt, Zutaten für die Festivalküche gekauft – der finanzielle Schaden für uns als ehrenamtlich arbeitende OrganisatorInnen des „Keine Knete – trotzdem Fete“ Festivals, welches eigentlich am 27. und 28. Juli stattfinden sollte, ist noch nicht ganz abzusehen. Der Ideelle und Persönliche ist aber bereits schlimm genug.

Seit acht Jahren findet das kostenlose, unkommerzielle, kulturell vielfältige und familienfreundliche Fest mit Kunst, Poetry Slam und Livemusik aus den Bereichen Rock, Hip Hop, Soul, Pop und Singer-/Songwritern an der Freilichtbühne im Harburger Stadtpark statt, seit vier Jahren über zwei Tage – nennenswerte Probleme mit der Anmeldung bei den zuständigen Behörden gab es bisher nie.

Nun gab es zwei Wochen vor dem diesjährigen Festival – ironischerweise am Freitag den 13ten – völlig überraschend die Ansage aus der für die Sondernutzung zuständigen Behörde (Zentrum für Wirtschaftsförderung, Bauen und Umwelt), dass das Festival nur einen Tag stattfinden dürfe.

Für uns würde dies unter anderem nur die Hälfte der Einnahmen aus dem Getränkeverkauf bedeuten. Ob das unkommerzielle Festival, welches sich fast nur durch den Getränkeverkauf finanziert, so überhaupt stattfinden könnte, ist fraglich.

Des Weiteren wurde der Poetry Slam am Samstag Nachmittag nicht genehmigt und – was die Krönung der Absurdität behördlicher Willkür darstellt – das Kinderprogramm, welches dieses Jahr auf der Hockeywiese am Hölscherweg (ohne verstärkte Musik) stattfinden soll.

Angemeldet haben wir das Festival bereits vor einem Jahr, seit Monaten steht es mit beiden Tagen im behördlichen Veranstaltungskalender. Mitte Juni haben wir nach mündlichen Versprechungen, dass alles wie jedes Jahr stattfinden kann, unser finales Nutzungskonzept eingereicht – die zuständige Behörde hatte also genug Zeit, uns die Entscheidung für die Kürzung auf einen Tag mitzuteilen.

Seit Januar stecken ca. 20 Einzelpersonen in den Planungen für das aufwendige Fest. Am Wochenende selbst würden ca. 60 weitere HelferInnen dazukommen. Es ist mit 800-1000 Besuchern zu rechnen, 17 Bands wurden fest gebucht und im Internet sowie bereits in Form von Plakaten und Flyern beworben.

Nachdem das ehemalige FZ Nöldekestraße vermietet wurde und die Initiative „Ja zur Nö“ in ihrem Bestreben, dort ein soziokulturelles Zentrum zu etablieren, zunächst gescheitert ist, wäre dies ein weiterer Schlag ins Gesicht für junge Kulturschaffende in Harburg. Wir fragen uns nun, ob unkommerzielle und unabhängige Kultur in Harburg überhaupt gewünscht ist und ob wir weiter soviel Zeit und Herzblut in die Belebung dieses Stadtteils stecken möchten, wenn Politik und Behörden so mit uns umgehen.

Wir erwägen rechtliche Schritte gegen diese aus unserer Sicht willkürliche Entscheidung der Harburger Behörden, sollten sich die behördlicherseits Verantwortlichen nicht eines Besseren besinnen.

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2 Antworten auf Pressemitteilung

  1. Bred 'o Connor sagt:

    Echt traurig, aber im Trend der Zeit: Überall werden Osterfeuer, selbstverwaltete Feste und Zusammenkünfte, auf denen sich Menschen frei austauschen können, unter fadenscheinigen Begründungen untersagt. Es scheint so, als ob unser Staat menschliche Kommunikation nur noch auf kontrollierter Cyberspace-Ebene wünscht, da facebook und andere kontrollierbare Plattformen unter Ausschluß des Datenschutzes gefördert werden!

  2. Birgit Elias sagt:

    Ich lebe nicht in Hamburg – meine Tochter lebt dort. Ich lebe in Bremerhaven. Dort gab es in der letzten Woche über den Kunstverein einen Vortrag von Herrn Hellweg/ IBA über die Veränderungen, die in den “… migrantisch geprägten Quartieren Hamburgs…” angestrebt werden:

    ” … geht es unter anderem darum, wie eine immer internationalere, multikulturelle Stadtgesellschaft in Zukunft zusammenleben kann…”. (Nordseezeitung 13.7.), um Partizipation bei der Stadtgestaltung, die Schaffung von Bildungseinrichtungen etc
    Die Diskussion, wieso Multikulturelles auf Migration begrenzt werden soll, sei ausgeblendet an dieser Stelle.

    Hamburg als Leuchtturm für Bremerhaven? Mitnichten.

    Selbstverständlich ist es zu begrüßen, wenn bei der Architekturplanung, wie berichtet, Beteiligungsverfahren endlich überlegt werden.Hohe Zeit wird´s. Eine Stadt lebt aber nicht “nur” von Architektur, Verkehrsplanung und Klimapolitik beim Bauen. Eine Stadt lebt von denen, die in ihr leben, sie soziokulturell gestalten, Spuren hinterlassen, sich Gestaltungsräume aneignen.

    “Richtungsweisende Bildungseinrichtungen” (NZ) sind sinnvoll – als Ergänzung und, wenn es gut läuft, Heimstatt von richtungsweisenden Menschen, die sich ihr Quartier zu eigen machen, es öffnen für alle, die dort leben. Form follows function – alles andere ist Schaufensterdekoration.

    Ich bin sehr erschrocken über das Vorgehen der Hamburger Verwaltungsbürokratie bei diesem Fest! Ist den Verantwortlichen auch nur im Ansatz klar, was sie tun? Wenn ja,wird mein Erschrecken zu Entsetzen. Wenn nicht, ist Nachdenken dringend geboten.

    Eine Gruppe von BürgerInnen setzt sich – seit vielen Jahren – mit hoher Verantwortungsübernahme, finanziell und zeitlich, über einen langen Zeitraum hin dafür ein, an einem Sommerwochenende eine vielseitige Veranstaltung im Stadtteil auf die Beine zu stellen. Während in der politischen Öffentlichkeit dieser Republik Bundesehrungen für die Beglänzung des Ehrenamtes ausgelobt, Ehrenamtsbörsen auch finanziell unterstützt, sogar Programme gegen die Lufthoheit autoritärer rechtslastiger Vereinigungen immerhin fragmentarisch erhalten werden, lässt es sich die Hamburger Verwaltung unversehens angelegen sein, eine solche Initiative nicht etwa in der inhaltlichen Auseinandersetzung, sondern last minute mit formalbürokratischen Mitteln an die Wand zu fahren.

    Welche Deutungsmuster, bitte, stehen offen, wenn nahezu ein Jahr nach der Antragstellung, kurz vor dem Fest, eine Genehmigung erteilt wird, die ein vitales Vorhaben ins Wachkoma befördert? Wie kann es erklärt werden, ein Kinderfest und einen poetry slam zu verbieten/ nicht zu genehmigen? Welch Absicht oder Blindheit treibt jemanden um, die Finanzierungsgrundlagen von den Füßen auf den Kopf zu stellen, die nun einmal immer im Gastronomie – Umsatz liegen, sogar dann, wenn Eintrittsgelder erhoben werden?

    Selbst mein Vater, 80 Jahre alt, und meine Mutter, 71, nie politisch einer Meinung mit meiner Tochter, oder auch nur mit mir, nicht einmal untereinander, reagieren so:

    “Das ist eine Schweinerei, die wollen die gezielt kaputt machen, die sollen auf den Kosten sitzen bleiben, es soll einen Keil treiben zwischen die Leute! Kein Wunder, wenn die Leute sich nicht mehr engagieren!”

    Mit solcherlei Entscheidungsformen wird Ohnmacht vermittelt. Ohnmacht demütigt. Ohnmacht lähmt. Nach der Ohnmacht wächst die allseits beklagte “Verdrossenheit”, öffentlich allzu gern “der Jugend” zugeschrieben, der man Engagement und Aufbegehren gleichermaßen zuschreibt wie vorwirft. Aus Ohnmacht und Verdrossenheit wird – wenn wir Glück haben – Wut, denn Wut ist immerhin voller Energie. Wenn wir – als Gesellschaft der BRD – Pech haben (und das ist nicht nur unwahrscheinlich) entwickelt sich Frustration und Resignation, ergo: Rückzug
    (… den man im Hinblick auf die DDR – Bürger einst gern als “Datscha – Mentalität” geißelte). Oder – eine ebenso fürchterliche Vision – die Suche nach Autoritäten, nach “guten Tyrannen”, was immer das dann heißen mag. Beide sind Antipoden zur gesellschaftlichen Teilhabe und demokratischen Verantwortungsübernahme. Beide machen mir Angst.

    Meine Eltern wissen nicht viel darüber, welche Art von Veranstaltung geplant war. Sie wissen, dass meine Tochter ihren Urlaub seit 2 Jahren so plant, dass sie ihren Verantwortlichkeiten bei diesem Fest gerecht werden kann. Sie reagieren (und auch dafür liebe ich sie) auf die Art der Machtausübung, die ihrem Bekenntnis zu unseren Grundrechten entgegen steht. Und an dieser Stelle kommen wir alle urplötzlich aus dem selben Stall und sind wütend und besorgt.

    Ich halte es für ausgezeichnet, die Entscheidungen und, mehr noch, die Entscheidungswege/ -abläufe der Harburger Verwaltung juristisch überprüfen und anfechten zu lassen. Das wird in diesem Jahr nicht mehr helfen – aber hier geht es um Grundsätzliches ebenso wie um Konkretes.

    Ein bißchen hoffe ich, dass jemand, warum auch immer, eine unreflektierte Einzelentscheidung traf, die zurückzunehmen es allerdings vermutlich schon zu spät ist.

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